Der Marburger Stadtbus, der von Studierenden für Wege zur Uni oder in der Freizeit häufig genutzt wird, erfährt im Jahresfahrplan 2012 einige Änderungen – Vieles bleibt jedoch auch beim Alten. Die Änderungen folgen v.a. aus der Idee, den Fahrplan zu vereinheitlichen und damit zu vereinfachen und besser nutzbar zu machen. Dies hat das AStA-Verkehrsreferat in den Gesprächen mit den Stadtwerken immer wieder gefordert. Die Abfahrtszeiten vieler Linien wurden im Minutenbereich verschoben. Folgende größere Veränderungen sind umgesetzt worden: Die Linie 1 fährt neu ab Hauptbahnhof (HBF) den Weg der bisherigen Linie 2 über den Wehrdaer Weg nach Wehrda. Dafür endet die Linie 2 am HBF. Die Linie 4 folgt künftig vom Richtsberg bis zum HBF der Route der Linie 1. Ab dort erreicht sie wie bisher über Messeplatz und Kaufpark den Stadtteil Wehrda. Die Linie 6 verläuft neu ab Fontanestr. über Richtsberg, Badestube, Kreishaus, Südbahnhof zur Weintrautstr. und von dort wie gehabt über Erlenring und Rudolphsplatz zum HBF. Durch dieses Neuordnung der Linien 1, 2 , 4 und 6 ergeben sich folgende Vorteile: Die Linienverläufe tagsüber und abends sind nun grundsätzlich im gesamten Liniennetz identisch und auf der wichtigen Strecke zwischen Richtsberg und Wehrda kommt Montag bis Freitag am Tag alle 15 Minuten ein Bus und am Abend alle 30 Minuten. Der neue 15-Minuten-Takt der Linien 1 und 4 an unterem bzw. mittlerem Richtsberg bringt jedoch Nachteile für die BewohnerInnen der Großseelheimer Str., die jetzt nur noch durch die Linie 7 angebunden ist. Auch für den oberen Richtsberg – u.a. im Bereich Sonnenblickallee – ist der Wegfall der schnellen Verbindung mit der alten Linie 6 über Großseelheimer Str. und Weintrautstr. in die Innenstadt zu beklagen. Das AStA-Verkehrsreferat wird die neu entstandenen Probleme mit den Stadtwerken diskutieren. Eindeutig positiv zu bewerten ist die „Vollendung“ der Innenstadtachse zwischen HBF und Südbahnhof. Die Linien 1, 2, 4 und 7 bilden nun endlich den nicht nur von AStA-Seite geforderten regelmäßigen Takt. Montag bis Freitag fährt tagsüber alle 7 bis 8 Minuten ein Bus (NEU ab HBF zu den Minuten 05, 12, 20, 27, 35, 42, 50, 57 – zuvor 02, 08, 14, 20, 32, 38, 44, 50). Samstags gibt es tagsüber auf der Innenstadtachse einen klaren 15- und sonntags tagsüber einen klaren 20-Minuten-Takt. Abends sind die Fahrten der Linien 1, 2, 4 und 5 zwischen HBF und Wilhelmsplatz wieder annähernd in einen 15-Minuten-Takt gebracht worden. Eine gleichmäßige Verteilung der Abfahrten ist auch auf der Relation Innenstadt-Lahnberge für die Linien 7 und 9 umgesetzt worden. Hier kommt montags bis freitags in der Hauptverkehrszeit (HVZ) alle 7 bis 8 Minuten, außerhalb der HVZ alle 15 Minuten ein Bus. Diese Verbesserung hatte das AStA-Verkehrsreferat im Rahmen des Engagements in der „Fahrplaninitiative Lahnberge“ gefordert, die sich seit über einem Jahr für die Verbesserung des öffentlichen Verkehrs auf die Lahnberge einsetzt. Einen Wermutstropfen gibt es jedoch auf der Linie 9, die wie schon zuletzt im alten Fahrplanjahr in der HVZ nicht mehr den Schlenker zur Unibibliothek (UB) macht. Die in der HVZ benötigten größeren Fahrzeuge können die Wendeschleife an der UB nicht nutzen. Der für NutzerInnen von UB und PhilFak wünschenswerte Schlenker geht einher mit einer längeren Fahrzeit der Linie 9 zwischen Innenstadt (Hörsaalgebäude) und Lahnbergen gegenüber einer Fahrt ohne UB-Schlenker. Der Wegfall des Schlenkers hat also auch Vorteile. Die städtebaulich unbefriedigende Situation von UB und PhilFak, die den Schlenker erforderlich macht, wird sich erst in einigen Jahren mit dem Neubau von UB sowie Geistes- und Gesellschaftswissenschaften im Bereich Alter Botanischer Garten/ Elisabethkirche aufheben lassen.

Main-Weser-Bahn weiterhin nicht im Takt

Beim Schienenverkehr gibt es im Fahrplanjahr 2012 fast nichts Neues. Die schrittweise eingeführten Züge der Hessischen Landesbahn (HLB), die werktags immer ca. 20 Minuten nach der geraden Stunde Marburg in Richtung Gießen verlassen, halten nun neu an allen Stationen (bisher an fast allen Stationen) zwischen beiden Städten. Damit gibt es nun auf der Strecke Marburg-Gießen – neben den stündlichen Zügen des Mittelhessenexpress – alle zwei Stunden einen weiteren Zug, der ebenfalls an allen Unterwegsbahnhöfen hält. Hingegen fahren innerhalb von zwei Stunden nur zwei schnelle Züge ohne Zwischenhalt: der IC Stralsund-Karlsruhe und der RE Kassel-Frankfurt. Dazu kommt, dass sich diese beiden schnellen Züge nicht mehr zu einem stündlichen Angebot zwischen Marburg und Gießen ergänzen, sondern seit der Verschiebung des IC durch die DB Fernverkehr vor zwei Jahren in einem „Wackeltakt“ abwechselnd im Abstand von 30 und 90 Minuten verkehren. Der unattraktive „Wackeltakt“ hat auch schlechtere Anschlüsse in allen Knotenbahnhöfen entlang der Main-Weser-Bahn Kassel-Marburg-Frankfurt zur Folge. Das AStA-Verkehrsreferat hatte frühzeitig die Verantwortlichen in Politik und bei RMV und DB auf die Probleme durch die IC-Verschiebung hingewiesen und Handlungsbedarf angemahnt, ist dabei jedoch überwiegend auf Desinteresse gestoßen. Die Initiative „Main-Weser-Bahn im Takt“, in der sich das AStA-Verkehrsreferat von Anfang an engagiert hat, hat einen Katalog von pragmatischen Verbesserungsvorschlägen ausgearbeitet. Dazu zählt auch, dass die angesprochenen HLB-Züge, die ab Gießen vereinigt mit dem RE aus Siegen schnell nach Frankfurt fahren, auch schon zwischen Marburg und Gießen ohne Halt verkehren sollen. Die Vorteile: Zusammen mit dem RE Kassel-Frankfurt entstünde so zwischen Marburg und Frankfurt wieder ein schneller Stundentakt und die Anschlüsse in Marburg aus Richtung Bad Laasphe würden deutlich verbessert. Regelmäßige Abfahrten der Züge ermöglichen grundsätzlich bessere Anschlüsse zwischen verschiedenen Zugstrecken und auch aus dem Stadtverkehrsnetz. Für das Jahr 2012 hat es mit der Beschleunigung der HLB-Züge zwischen Marburg und Gießen noch nicht geklappt. Wir bleiben aber zusammen mit „Main-Weser-Bahn im Takt“ weiter am Ball.

Stadtwerke handeln sinnvoll – Rahmenbedingungen für den öffentlichen Verkehr jedoch weiter schwierig

 

Leider sind unter den gegebenen organisatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen des Bahnverkehrs oft nur Verbesserungen mit Kompromissen möglich. So wäre z.B. ein Halbstundentakt sowohl von schnellen als auch von langsamen Zügen wünschenswert und sinnvoll. Die unterschiedliche Organisation und Finanzierung von Nah- und Fernverkehr stellt jedoch ein Hindernis für einen regelmäßigen und dichten Fahrplan dar. Der Nahverkehr wird finanziell unterstützt; die Höhe der Zuschüsse kann jedoch sinken und dies ist in der Vergangenheit auch schon geschehen.  Der Fernverkehr muss ganz ohne Zuschüsse auskommen. Auch knappe öffentliche Gelder der Kommunen machen die optimale Ausgestaltung des Stadtbusnetzes schwierig. So sind die dargestellten Verbesserungen durchaus zu loben und auch das Leitbild der Stadtwerke, Netz und Fahrplan zu vereinheitlichen und zu vereinfachen, ist eindeutig zu begrüßen. Hervorzuheben ist auch, dass die in den letzten zwei Jahren entwickelte Linie 9 mit ihrem Viertelstundentakt einen Qualitätssprung für Studierende auf der Relation Innenstadt-Lahnberge darstellt. Engere finanzielle Spielräume haben aber seit zwei Jahren gerade auch am Wochenende zu deutlichen Einschnitten im Stadtverkehr geführt. So sind sonntags und in Teilen auch samstags die Halbstundentakte der Linien in Richtung Wehrda, Lahnberge, Großseelheimer Str., Richtsberg und Cappel auf Stundentakte ausgedünnt worden. Die ohnehin schwierige Anschluss-Situation zwischen dem Stadtverkehr und den Zügen am HBF wird durch ausgedünnte Takte nicht gerade einfacher. Das Thema „Umsteigen zwischen Bahn und Stadtbus – die Anschluss-Situation an HBF und Südbahnhof“ werden wir in der nächsten Zeit vertieft bearbeiten und Ergebnisse und Probleme im nächsten Newsletter präsentieren.

Wenn ihr Anregungen, Fragen und Kritik zum Angebot des öffentlichen Verkehrs habt, sind wir auf eure Zuschriften per Mail gespannt. Gerne könnt ihr uns auch direkt in unserer Sprechstunde besuchen.